Eines der vorherrschenden Themen der Konferenz war die Weiterentwicklung von KI-Agents. Der Fokus verschiebt sich zunehmend weg von umfangreichen Anweisungen und komplexen Prompt-Konstrukten hin zu klar definierten, nachvollziehbaren Workflows.
Microsoft stellte eine vereinfachte Agents-Oberfläche vor, die Komplexität reduziert und die Entwicklung strukturierter gestaltet. Gleichzeitig hält mit den neuen Copilot Studio Workflows ein Ansatz Einzug, bei dem Trigger, Logik und Prozessschritte direkt in Workflows definiert werden – statt in immer umfangreicheren Instruktionen zu verstecken.
Ein großer Vorteil: Einzelne Schritte lassen sich separat testen und optimieren. Das erhöht Transparenz und Wartbarkeit erheblich. Gleichzeitig wird aber auch die Kostenperspektive wichtiger, denn jeder ausgeführte Schritt verbraucht Ressourcen und damit entsprechende Credits. Die Botschaft ist klar: Erfolgreiche Agents werden künftig weniger durch kreative Prompts und mehr durch saubere Prozessarchitekturen definiert.
Ein weiterer wichtiger Entwicklungsschritt betrifft die Strukturierung von Agents. Die bekannten „Topics“ werden zunehmend durch sogenannte Skills ersetzt. Microsoft unterscheidet dabei zwischen zwei Typen:
Dadurch entsteht ein deutlich modularerer Ansatz. Unternehmen können Fähigkeiten einmal entwickeln und anschließend in unterschiedlichen Szenarien wiederverwenden. Das vereinfacht die Verwaltung, erhöht die Konsistenz und reduziert langfristig den Implementierungsaufwand.
Eine Zahl wurde auf der Konferenz besonders häufig genannt: Innerhalb von nur zwei Jahren sind bereits rund 600.000 Agents entstanden. Mit dieser Entwicklung wird Governance zu einer strategischen Notwendigkeit. Je mehr Agents Unternehmen einsetzen, desto wichtiger werden Transparenz, Kontrolle und Nachvollziehbarkeit.
Microsoft reagiert darauf unter anderem mit Agent 365, einer zentralen Verwaltungsoberfläche im Power Platform Admin Center. Administratoren erhalten damit Einblick in aktive Agents, deren Nutzung sowie mögliche Fehler und Risiken.
Besonders spannend ist die Perspektive, Governance künftig nicht nur auf Microsoft-Agents zu beschränken. Auch Agents anderer Anbieter sollen in die Governance-Strategien integriert werden können, beispielsweise über bestehende Verwaltungswerkzeuge wie Intune.
Langfristig verfolgt Microsoft dabei ein klares Ziel: Weg von einer Governance, die auf permanenter manueller Kontrolle basiert, hin zu einem nachhaltigen, weitgehend selbststeuernden Governance-Modell.
Auch die Art und Weise, wie Lösungen entwickelt werden, befindet sich im Wandel.
Coding Agents wie GitHub Copilot, Claude Code oder der Visual Studio Agent werden künftig immer stärker direkt bei der Erstellung von Apps, Skills und Datenmodellen innerhalb der Power Platform unterstützen. Die Grenze zwischen Entwicklung und Konfiguration verschwimmt zunehmend.
Gleichzeitig wurde auf der EPPC intensiv über sogenannte Disposable Apps diskutiert. Dabei handelt es sich um Anwendungen, die direkt für einen kurzfristigen Anwendungsfall in der Produktivumgebung erstellt werden. Ist ihr Zweck erfüllt, verschwinden sie wieder. Der klassische Application-Lifecycle-Management-Prozess tritt in diesen Szenarien in den Hintergrund.
Ergänzt wird dieser Trend durch neue Möglichkeiten, schnell erstellte Code-Seiten direkt in bestehende Model-Driven Apps einzubinden. So können funktionale Erweiterungen mit minimalem Aufwand umgesetzt werden, ohne komplette Anwendungen neu entwickeln zu müssen.
So präsent KI auf der Konferenz auch war – eine Erkenntnis zog sich durch zahlreiche Sessions: Nicht jede Herausforderung braucht einen Agent.
In vielen Fällen sind klassische Power Platform Werkzeuge weiterhin die effizienteste und wirtschaftlichste Lösung. Ein Cloud Flow, eine Canvas App, eine Model-Driven App oder ein wenig individueller Code können häufig schneller zum Ziel führen als ein komplexer KI-Ansatz.
Genau hier liegt die Aufgabe erfahrener Beraterinnen und Berater: Kunden dabei zu unterstützen, die richtige Technologie für die jeweilige Herausforderung auszuwählen – und nicht automatisch dem neuesten Trend zu folgen.
Ein besonders inspirierendes Beispiel zum Abschluss zeigte eindrucksvoll, welches Potenzial in der Plattform steckt. Die NASA nutzt die Microsoft Power Platform für verschiedene Prozesse rund um die Artemis-2- und Artemis-3-Missionen. Dabei kommen Power Apps zum Einsatz, um geschäftskritische Abläufe zu unterstützen und zu koordinieren.
Das unterstreicht, was viele Anwender bereits heute erleben: Die Power Platform ist keine Nischenlösung für einfache Geschäftsanwendungen. Sie kann auch in hochkomplexen, sicherheitskritischen Umgebungen eingesetzt werden und auf beeindruckende Weise skalieren. Oder anders gesagt: Die Power Platform ist vielleicht keine Raketenwissenschaft – aber sie hilft dabei, Menschen zum Mond zu bringen.
Die EPPC 2026 hat gezeigt, dass die nächste Entwicklungsstufe der Power Platform nicht allein durch KI bestimmt wird. Vielmehr geht es um die intelligente Kombination aus Automatisierung, Governance, Wiederverwendbarkeit und pragmatischer Lösungsentwicklung.
Unternehmen werden künftig erfolgreicher sein, wenn sie Agenten gezielt dort einsetzen, wo sie echten Mehrwert schaffen – und gleichzeitig die Stärken klassischer Power Platform Werkzeuge nicht aus den Augen verlieren. Denn letztlich entscheidet nicht die Technologie über den Erfolg einer Lösung, sondern wie gut sie das zugrunde liegende Problem löst.