Cegeka Business Blog

Erfolgsfaktoren im Moderni­sie­­rungs­­­­­projekt

Geschrieben von Stephen Reindl | 24.09.2024 13:27:48

Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, die IT-Roadmap mit den nächsten Maßnahmen ist erstellt. Das Budget ist freigegeben, die Entwicklungs­teams stehen bereit. Das Modernisierungs­projekt kann beginnen. Damit diese Investition aber möglichst langfristig positive Effekte für Ihr Unternehmen bringt, ist es sinnvoll, im Rahmen des Projekts einige wichtige Einflussfaktoren zu berücksichtigen:

Technologie, Architektur, Tools

Ein wesentliches Ziel einer Anwendungs­modernisierung ist es, die Applikationen so zu gestalten, dass sie sich zukünftig schneller und flexibler an geänderte Business-Anforderungen anpassen lassen. Weitere Ziele sind bessere Skalier­barkeit und eine hohe Sicherheit. Dies alles wird möglich durch den Einsatz von modernen Technologien und Architektur­modellen wie z. B. Microservices, Containerisierung oder Cloud-native Ansätze. Bei der Sanierung Ihres Hauses würden Sie ja auch nur Materialien und Methoden verwenden, die den heutigen Standards entsprechen.

Mithilfe von Microservices werden die Funktionen einer Anwendung als unabhängige Services implementiert und bereitgestellt. Neben der Wieder­verwendbarkeit, haben Microservices den Vorteil, dass Anpassungen von einzelnen Services sowie Ergänzungen im laufenden Betrieb vorgenommen werden können. Die Anwendung steht den Nutzern währenddessen weiterhin zu Verfügung. Container-Technologien wie Kubernetes oder Docker helfen dabei, die Anwendungs­verfügbarkeit und betriebliche Effizienz zu erhöhen. Beispielsweise lassen sich so Verwaltungs­aufgaben wie Monitoring und Protokollierung komplett automatisieren. Cloud-native Ansätze hingegen helfen dabei, Applikationen auf eine spezifische Cloud-Umgebung, wie z. B. AWS oder Azure, abzustimmen und deren Vorteile optimal zu nutzen.

Anwendungs­entwicklungs­prozesse

Um eine nachhaltige Modernisierung zu erreichen, sprich das Ziele wie Effizienz, Sicherheit, Geschwindigkeit und Flexibilität auch auf lange Sicht erfüllt werden können, ist es häufig notwendig, ebenfalls die eigenen Prozesse in der Anwendungs­entwicklung anzupassen. Die Etablierung von agilen Methoden und DevSecOps-Praktiken hilft dabei, eine kontinuierliche Ausrichtung der Entwicklung auf die Geschäfts­ziele sicherzustellen, schnell auf Veränderungen zu reagieren sowie Reibungs­verluste und Ineffizienzen zwischen Entwicklung, Security und Betrieb zu mindern. Der Einsatz von Test­automatisierung, dort wo sinnvoll, ermöglicht es, Entwicklungsprozesse zu beschleunigen und Fehler zu minimieren. Die Definition einheitlicher Programmier­richt­linien für alle Entwicklungs­teams sowie die Verwendung einer statischen Code-Analyse tragen dazu bei, den Source­code dauerhaft „clean“ zu halten, d.h. verständlich, aufgeräumt und leichter wartbar.

Lesetipp:
> Whitepaper "Warum komplexe Anwendungs­entwicklungs­projekte scheitern"

Security & Compliance

Die Aspekte Security und Compliance gewinnen zunehmend an Bedeutung für Unternehmen. Eine Modernisierungs­initiative ist daher immer auch ein guter Anlass, die eigene Anwendungs­landschaft einem gründlichen Check-up zu unterziehen. Das heißt, die Anwendungen z. B. auf bestehende Schwach­stellen zu prüfen und diese anschließend im Rahmen des Projekts zu beseitigen. Auch bei der Umgestaltung der Prozesse sind die beiden Punkte mit einzubeziehen:

  • Wie können wir Security-Aspekte bereits im Entwicklungs­prozess berücksichtigen
    (z. B. Security by Design)?
  • Wie können wir durch automatisierte Test­verfahren mögliche Sicherheits­lücken schnell aufdecken und bereinigen?
  • Welche Anforderungen stellen gesetzliche oder regulatorische Vorschriften an unsere IT und die Prozesse?
  • Und wie können wir gewährleisten, dass die Prozesse auch eingehalten und gelebt werden?

Change Management

Anwendungs­modernisierung bedeutet auch Veränderung. Die Entwicklungs­teams müssen sich von alten Gewohnheiten und Arbeits­weisen lösen, neue Abläufe und Tools erlernen und diese verinnerlichen. Die Nutzer, die seit vielen Jahren mit der Legacy-Anwendung arbeiten und sich mit ihr arrangiert haben, müssen sich umgewöhnen. Das alles kann Unsicher­heiten und Ängste hervorrufen und zu Widerständen gegen das Modernisierungs­projekt führen (mehr dazu im Blogartikel Digital Workplace: Der größte Fallstrick Benutzer­akzeptanz). Um dem entgegenzuwirken, ist es daher wichtig, dass Sie den Faktor Mensch von Beginn mit einbeziehen und ein entsprechendes Change Management aufsetzen, z. B. :

  • Zeitnahe, kontinuierliche und verständliche Informationen
  • Kommunizieren der Vorteile und Quick-Wins
  • Angebot von Unterstützung / Schulungen
  • Einsatz von Botschaftern und Multiplikatoren usw.

Integration

Das Thema Integration wird oft recht stiefmütterlich behandelt, ist aber wesentlich für Effizienz, Geschwindigkeit und Flexibilität. Der Wert einer Anwendung liegt nicht nur in ihren Funktionen, also was ich damit tun kann (z.B. Verträge verwalten), sondern auch im Zusammen­spiel mit den weiteren Systemen und vor allem in den Daten, die sie verarbeitet und bereitstellt. Und diese werden mit Blick auf die steigende Nutzung von AI und IoT zukünftig nicht weniger werden. Ist die Anwendung nicht sauber integriert, führt dies zu unvollständigen, inkonsistenten Daten­beständen. Fatal, wenn solche Daten als Grundlage für strategische Geschäfts­entscheidungen dienen sollen.

Im Rahmen der Modernisierung wird die Technologie der Anwendung entsprechend ihrer Zukunftsfähigkeit, Flexibilität und Leistungsfähigkeit gewählt. Gleiches muss für das Thema Integration gelten, da diese sonst die Wirksamkeit der Modernisierungs­maßnahme ausbremst. Sprich: Eine auf Vordermann gebrachte, technologisch fort­schrittliche Anwendung mittels 150 Punkt-zu-Punkt-Verbindungen in die System­landschaft einzubinden, ist vielleicht nicht die beste Idee. Es ist daher empfehlens­wert, dass Sie auch Ihre Integrations­prozesse prüfen und ggfs. modernisieren, beispielsweise mithilfe einer zentralen Integrations­plattform.

Lesetipp:
> Whitepaper "Warum Digitale Transformation eine Integrations­strategie braucht"

Nachhaltigkeit / ESG

Auch wenn es vielleicht nicht ganz so offensichtlich ist, Sie sollten das Thema ESG (Environmental, Social, Governance) bei der Anwendungs­modernisierung nicht außer Acht lassen. Es ist damit zu rechnen, dass sich Vorgaben der EU sowie auch der Regierungen zu ESG in den kommenden Jahren noch verschärfen und die IT mit einbeziehen werden, Stichwort: IT-Sustainability. Wie also lässt sich die Anwendungs­architektur und Infra­struktur so gestalten, dass sie möglichst energie­effizient und nachhaltig ist?

Entscheide ich mich für den Wechsel in die Cloud, könnte ich z. B. für einen ressourcen­schonenden Umgang mit Server­leistung, verstärkt auf eine On-Demand-Nutzung setzen. Ungenutzte Server­leistung muss dann nicht mehr vorgehalten werden, sondern kann dynamisch bei Bedarf abgerufen werden (z. B. am Tag mehr Leistung als in der Nacht oder die Abfederung von Peaks). Eine weitere Überlegung: Setze ich weiter auf Batch-Technologie, die zwar bewährt ist, aber zugleich sehr viele Leer­läufe erzeugt und damit nutzlos Energie verbraucht? Oder stelle ich das Architektur­design um, sodass Prozesse nur angestoßen werden, wenn sie auch tatsächlich benötigt werden (z. B durch den Einsatz von Queues).

Fazit

Wie die Sanierung eines Hauses ist auch eine Anwendungs­modernisierung kein Projekt, dass man mal eben nebenbei innerhalb von ein paar Wochen oder Monaten umsetzt. Aber die Anstrengung lohnt sich. Unterm Strich wird Ihr IT-Bereich auf Dauer schneller, einfacher und flexibler auf veränderte Anforderungen aus dem Business eingehen und die Time-to-Market deutlich verkürzen können. Sie werden mehr Transparenz und Kontrolle über Ihre System­landschaft gewinnen, die Sicherheit Ihrer Anwendungen verbessern können und es wird Ihnen leichter fallen, Compliance-Anforderungen umzusetzen. Mit dem Einsatz von DevSecOps-Praktiken sowie verstärkter Test­automatisierung im Rahmen der Anwendungs­entwicklungs­prozesse werden Sie mehr Fehler schneller aufdecken und ausräumen können, was Qualität und Sicherheit erhöht. Und durch die Nutzung energie­sparender Architektur­modelle können Sie nicht nur die Anforderungen aus dem ESG-Umfeld berücksichtigen, sondern reduzieren auch Ihre Kosten aufgrund des zukünftig geringeren Energie­verbrauchs.

 

Lesen Sie hier den ersten Blogartikel:
>Von Legacy-IT zum Enabler: Vorbereitung der Anwendungsmodernisierung

Weitere Informationen zum Thema und unseren Leistungen:
> Solution Sheet - Herausforderungen von Legacy-IT durch Anwendungs­modernisierung bewältigen

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